AG SDD – Buch des Monats Mai 2026

30. April 2026
von AG Sammlung Deutscher Drucke

„Ballspenden“ haben nichts mit Sport zu tun, sondern mit Festen und Tänzen!

Bei einem Tanzball wurde die sogenannte Ballspende vom Veranstalter an die anwesenden Damen überreicht, eine Vorform des Werbegeschenks, allerdings in einer höchst kultivierten Form. Die Blütezeit der Ballspenden war in Wien – wo auch sonst?! – um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.

Im Rahmen der Sammlung Deutscher Drucke hat die Staatsbibliothek zu Berlin jüngst ein handliches kleines Heft erworben, das in jede Jackentasche paßt, die

Secessionistische Zeitung : 17. April 1899. – Wien : Verlag des Wiener Journalisten- und Schriftsteller-Vereines „Concordia“

Im Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Signatur 50 MA 38795 : R

Der Inhalt besteht aus satirischen Prosatexten und Gedichten, die auf aktuelle, vor allem literarische Ereignisse Bezug nehmen. Schließlich wurde dieser Ball vom Journalisten- und Schriftsteller-Verein veranstaltet. Der Verein wurde 1859 gegründet und veranstaltet seit 1863 und bis heute regelmäßig seinen Concordia-Ball.

Gerhard Hauptmann sitzt am Schreibpult. Der Naturalismus als Frauengestalt kniet vor ihm und bittet um eine Pause.

Worauf es aber eigentlich bei einer Ballspende ankommt, das findet sich hier ganz hinten auf dem letzten Blatt: Die Tanzkarte.

Doppelseite, links ein Gedicht mit Erwähnung der Dreyfus-Affäre, rechts eine Liste von Tänzen.

Diese Tanzkarte ist Ursprung und Hauptsache der Ballspende: Es handelt sich um eine Liste der Tänze, die bei dem Ball gespielt werden. Daneben ist Platz gelassen zum Eintragen der Herren, die den jeweiligen Tanz gewährt bekommen haben.

Diese Tanzkarte schafft der Dame nun ein ganz praktisches Problem: Wohin mit der Karte, woher einen Stift nehmen?

Deshalb haben sehr viele Ballspenden gleich alles dabei: Neben der Karte noch einen kleinen Bleistift und einen Haken zum Anhängen am Kleid.

[Absatz]

Inhalt und Ausstattung hängen von der Finanzkraft und manchmal auch dem Sponsor ab.

Es gibt eher schlichte Hefte wie die gerade angekaufte Secessionistische Zeitung, aber auch Objekte in feinster Ausstattung wie diese beide Beispiele vom Ball der Stadt Wien:

Ein Schminkspiegel mit Anhänger und Halterung für die Tanzkarte

oder auch eine von Koloman Moser gestaltete Schatulle, bei der die Tanzkarte auf der Rückseite angeklemmt wurde. Enthalten ist hier ein Büchlein über die Kaiser Franz-Josefs-Hochquellen-Leitung, eine Wasserleitung zur Versorgung Wiens.

Haben wir Ihre Neugier geweckt? Im Kulturwerk der Staatsbibliothek zu Berlin haben Sie die Möglichkeit, Ballspenden im Original zu bestaunen oder virtuell unter diesem Link.

Text: Silke Trojahn

AG Sammlung Deutscher Drucke

In der Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke (AG SDD) kooperieren sechs Bibliotheken, um eine umfassende Sammlung der gedruckten Werke des deutschen Sprach- und Kulturraums vom Beginn des Buchdrucks bis in die Gegenwart aufzubauen, zu erschließen, der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und für künftige Generationen zu bewahren.

Dadurch entsteht eine verteilte Nationalbibliothek, in der die beteiligten Bibliotheken für einzelne Zeitsegmente verantwortlich sind.

Webseite AG SDD

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:Stabi

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  • ISSN 2751-3238